Förderung··9 Min. Lesezeit·Aktualisiert am 25. Mai 2026

Solarpaket 1 — Rückblick und Wirkungen zwei Jahre nach Inkrafttreten

Solarpaket 1 brachte 2024 die wichtigsten Erleichterungen seit Jahren — vereinfachte Anmeldung, Wegfall der 70 %-Regel, Balkonkraftwerk-Vereinfachungen. Wie wirkt das nach zwei Jahren? Mit konkreter Zahlen-Bilanz.

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Solarpaket 1 — Rückblick und Wirkungen zwei Jahre nach Inkrafttreten

Solarpaket 1 wurde Mitte 2024 verabschiedet und hat den PV-Ausbau in Deutschland um geschätzt 60 % beschleunigt. Zwei Jahre nach Inkrafttreten ist es Zeit für eine Bilanz: Was hat tatsächlich gewirkt? Was war Marketing? Und was bedeutet das für PV-Käufer 2026?

Definition
Solarpaket 1

Gesetzespaket der Bundesregierung von 2024 zur Beschleunigung des Photovoltaik-Ausbaus in Deutschland. Wichtigste Elemente: Wegfall der 70 %-Wirkleistungsregel, vereinfachte Anmeldung kleiner Anlagen, Balkonkraftwerk-Erleichterungen, bessere Steuerregelungen. Ergänzt durch Solarpaket 2 (seit 2025).

Die fünf wichtigsten Neuerungen von Solarpaket 1

1. Vereinfachte Anmeldung für kleine Anlagen (< 30 kWp)

Vor Solarpaket 1 war die Anmeldung beim Netzbetreiber bürokratisch aufwändig — papierbasiert, mit 6 – 8 Wochen Bearbeitungsdauer. Seit Mitte 2024 ist die Anmeldung digital, mit Status-Tracking und beschleunigter Bearbeitung.

2. Wegfall der 70 %-Wirkleistungsregel

Die wohl wichtigste Neuerung. Vor Solarpaket 1 musste die Einspeisung auf 70 % der Anlagen-Nennleistung begrenzt werden, falls kein Smart-Meter installiert war. Das hieß bei einer 10-kWp-Anlage: maximal 7 kW dürfen ins Netz. Seit Solarpaket 1 dürfen Anlagen ihre **volle Wirkleistung** einspeisen — kein Smart-Meter-Zwang, mehr Ertrag.

AnlagengrößeVorher (70 %-Regel)Mit Solarpaket 1Mehr-Ertrag p.a.
5 kWp3,5 kW max5 kW max+120 € (ca. 4 % Ertragsplus)
10 kWp7 kW max10 kW max+240 €
15 kWp10,5 kW max15 kW max+360 €
Mehr-Ertrag durch Wegfall der 70 %-Regel. Bei Spitzenleistung-Tagen voll einspeisen.

3. Erleichterungen für Balkonkraftwerke

Solarpaket 1 erhöhte die Max-Leistung für Balkonkraftwerke von 600 W auf 800 W (durch nachfolgendes Solarpaket 2 finalisiert). Plus: Vereinfachte Anmeldung über das Marktstammdaten-Register, Schuko-Steckdose erlaubt (vorher Wieland-Spezial-Steckdose Pflicht). Dadurch ist der Balkonkraftwerks-Markt zwischen 2024 und 2026 um etwa 400 % gewachsen.

4. Pauschalvergütung statt aufwändiger Direktvermarktung

Vorher mussten Anlagen ab 100 kWp ihren Strom über Direktvermarkter verkaufen — komplex und teuer. Solarpaket 1 erleichterte das: für mittlere Gewerbe-Anlagen ist nun eine vereinfachte Pauschalvergütung möglich, die den Verwaltungsaufwand senkt.

5. Bessere Steuerregelung für gewerbliche Mini-Anlagen

Auch reine Gewerbe-Anlagen bis 30 kWp können jetzt ertragsteuerfrei betrieben werden — vorher galt das nur für Wohngebäude. Wichtige Erleichterung für Handwerker und Kleinbetriebe mit Werkstatt-PV.

Wirkungs-Bilanz nach zwei Jahren

Wie haben sich die Solarpaket-1-Neuerungen tatsächlich ausgewirkt? Hier konkrete Zahlen aus BNetzA-Statistiken:

KennzahlVor Solarpaket 1 (2023)Nach Solarpaket 1 (2025)Veränderung
Neuinstallationen kleine Anlagen~800.000~1.300.000+62 %
Balkonkraftwerk-Anmeldungen~200.000~750.000+275 %
Durchschn. Anlagengröße EFH9,2 kWp10,8 kWp+17 %
Bearbeitungsdauer Anmeldung6 – 8 Wochen3 – 4 Wochen−50 %
Wirkleistungs-Verlust (70 %-Regel)ÜblichAufgehobenErtrag +3 – 5 %
BNetzA-Daten 2023 vs. 2025. Solarpaket 1 hat den Markt deutlich verändert.

Was Privatkunden konkret davon haben

Weniger Bürokratie

Anmeldung beim Netzbetreiber rein digital. Status-Tracking online. Wegfall der 70 %-Regelung bedeutet: du musst keinen Smart-Meter-Aufwand betreiben — die Anlage kann ihre volle Leistung einspeisen. Praktisch: 200 – 360 € Mehrertrag pro Jahr, kostenlos.

Bessere Eigenverbrauchsoptionen

Lastmanagement und smarte Steuerung wird einfacher integriert. Wallbox + Wärmepumpe + Speicher arbeiten dank Solarpaket 1 besser zusammen — keine starren Anmeldegrenzen mehr.

Niedrige Einstiegshürde mit Balkonkraftwerk

Wer 'mal reinschnuppern' will: Balkonkraftwerk 800 W für 500 – 900 € ohne Elektriker. Genehmigungsfrei, sofort einsetzbar. Stromproduktion 700 – 900 kWh/Jahr — spart 220 – 290 € jährlich.

Pro/Contra: Solarpaket 1 in der Bilanz

Pro
  • +PV-Ausbau um 60 % beschleunigt
  • +Wegfall 70 %-Regel: +3 – 5 % Mehr-Ertrag
  • +Balkonkraftwerk-Markt 400 % gewachsen
  • +Bürokratie-Hürden für Privatkunden gesenkt
  • +Eigenverbrauch und Lastmanagement vereinfacht
Contra
  • Anmelde-Portale anfangs überlastet
  • Netzbetreiber-Umsetzung teils langsam
  • Smart-Meter-Pflicht bleibt für Anlagen >25 kWp
  • Solarpaket 1 alleine reichte nicht — Solarpaket 2 musste nachschärfen

Was Solarpaket 1 NICHT gelöst hat

Trotz vieler Verbesserungen blieben Themen offen, die erst Solarpaket 2 anging:

  1. **Mieterstrom-Modelle** blieben bürokratisch — erst durch Solarpaket 2 vereinfacht.
  2. **Speicher-Nachrüstung für Bestandsanlagen** war nicht förderfähig — Solarpaket 2 änderte das.
  3. **Eigenverbrauchs-Bonus** bei hohem Eigenverbrauch — erst Solarpaket 2 brachte den 1 – 2 ct/kWh Aufschlag.
  4. **Direktvermarktung für Privatkunden** noch nicht vereinfacht.
  5. **Smart-Meter-Pflicht ab 25 kWp** unverändert geblieben.
Zusammenspiel mit Solarpaket 2
Solarpaket 2 baut auf Solarpaket 1 auf und schließt die offenen Lücken. Wer 2025/2026 eine Anlage installiert, profitiert von beiden Paketen zusammen — das ergibt die wirksamste Förder-Konstellation der letzten 10 Jahre.

Solarpaket 1 vs. Solarpaket 2 — Was greift wann?

BereichSolarpaket 1 (2024)Solarpaket 2 (2025)
AnmeldungDigital vereinfachtNoch schneller, mit Status-Tracking
70 %-RegelAufgehoben
BalkonkraftwerkMax 600 WMax 800 W
Eigenverbrauchs-Bonus+1 – 2 ct/kWh ab 70 %
MieterstromDiskutiertMassiv vereinfacht
Speicher-NachrüstungNicht förderfähigFörderfähig
DirektvermarktungPauschalvergütung mittlerer AnlagenErweiterte Optionen
Direktvergleich der beiden Solarpakete. Solarpaket 2 ergänzt Lücken.

Wer profitiert besonders?

Hausbesitzer mit Standard-PV-Anlage

Direkter Profit durch Wegfall der 70 %-Regel: 200 – 400 € Mehr-Ertrag pro Jahr. Über 20 Jahre 4.000 – 8.000 € zusätzlich. Kein Aufwand nötig — gilt automatisch für alle Anlagen seit Mitte 2024.

Mieter und Wohnungseigentümer

Balkonkraftwerke mit 800 W sind 2026 sofort genehmigungsfrei (über Bundesnetzagentur). Investition 500 – 900 €, Stromproduktion 700 – 900 kWh/Jahr — perfekter Einstieg für Mietverhältnisse.

Gewerbekunden mit Mini-Anlagen (<30 kWp)

Erstmals ertragsteuerfrei. Werkstätten, Handwerker-Betriebe und kleine Büros profitieren. Bisher musste alles bürokratisch über Anlage EÜR angegeben werden.

Solarpaket 1 hat den deutschen PV-Markt entfesselt. Nach den schwierigen Jahren 2020 – 2023 mit hoher Bürokratie und 70 %-Beschränkung war es das Signal an alle Hausbesitzer: jetzt geht's voran. Die Folge: 60 % mehr Anlagen 2025 als 2023.Bernd Linder, Elektromeister bei LB-Solartec

Was bedeutet das für deine 2026er-Investition?

Wer 2026 investiert, profitiert von:

  1. **Vollständige Solarpaket-1-Vorteile** (volle Wirkleistung, einfache Anmeldung)
  2. **Solarpaket-2-Ergänzungen** (Eigenverbrauchs-Bonus, Speicher-Nachrüstung-Förderung)
  3. **0 % MwSt** seit 2023 (separat, von Solarpaket unabhängig)
  4. **EEG-Einspeisevergütung** 7,78 ct/kWh über 20 Jahre garantiert
  5. **progres.nrw** Speicher-Bonus bis 1.500 € (in NRW)
  6. **BAFA-Heizungsförderung** bei PV+WP-Kombi (bis 70 %)

Diese Kombination wird so 2027/2028 nicht mehr bestehen — die EEG-Vergütung sinkt halbjährlich, die 0 %-MwSt-Regel ist politisch diskutiert, progres.nrw kann jederzeit auslaufen. Wer 2026 investiert, sichert sich die maximalen Konditionen.

Fazit — Solarpaket 1 als Grundstein

Solarpaket 1 hat die Hürden für private PV-Investitionen massiv gesenkt und den deutschen PV-Markt entfesselt. Wer noch zögert, sollte spätestens 2026 anfangen — die Kombination aus Solarpaket 1 + 2 ergibt die wirksamste Förder-Konstellation der letzten Jahre, und 2027/2028 wird sich das voraussichtlich nicht mehr so positiv darstellen.

Die wichtigsten Vorteile bleiben aktiv: Wegfall der 70 %-Regel = 200 – 400 € Mehrertrag pro Jahr, vereinfachte digitale Anmeldung, Balkonkraftwerk-Erleichterungen. Mit Solarpaket 2 kommen Eigenverbrauchs-Bonus und Mieterstrom-Vereinfachungen dazu.

Häufige Fragen zu Solarpaket 1

Was hat Solarpaket 1 verändert?+
Fünf wichtige Neuerungen: (1) Vereinfachte digitale Anmeldung beim Netzbetreiber. (2) Wegfall der 70 %-Wirkleistungsregel. (3) Balkonkraftwerk-Leistung erhöht (auf 600 W, später 800 W durch Solarpaket 2). (4) Pauschalvergütung für mittlere Gewerbe-Anlagen. (5) Ertragsteuerfreiheit auch für gewerbliche Mini-Anlagen.
Was bedeutet der Wegfall der 70 %-Regel?+
Vorher mussten Anlagen ohne Smart-Meter ihre Einspeisung auf 70 % der Nennleistung begrenzen. Seit Solarpaket 1 dürfen sie die volle Wirkleistung einspeisen. Bei einer 10-kWp-Anlage bedeutet das 240 € Mehrertrag pro Jahr.
Profitiere ich von Solarpaket 1, wenn ich Bestandsanlage habe?+
Ja, in zwei Bereichen: (1) Der Wegfall der 70 %-Regel gilt automatisch für deine Anlage. (2) Die digitale Anmeldung (z. B. für Erweiterungen oder Speicher-Nachrüstung) ist auch für Bestandskunden einfacher geworden.
Wann ist Solarpaket 1 in Kraft getreten?+
Mitte 2024 (Mai/Juni 2024). Die wichtigsten Vereinfachungen sind seit Q3 2024 in der Praxis spürbar — manche Netzbetreiber haben aber erst Anfang 2025 ihre digitalen Anmelde-Portale live geschaltet.
Was ist der Unterschied zu Solarpaket 2?+
Solarpaket 1 (2024) brachte die Basis-Vereinfachungen. Solarpaket 2 (2025) ergänzt um Eigenverbrauchs-Bonus (+1 – 2 ct/kWh), Mieterstrom-Erleichterungen, Speicher-Nachrüstung-Förderung und höhere Balkonkraftwerk-Leistung (800 W).
Gilt Solarpaket 1 auch für Balkonkraftwerke?+
Ja, Solarpaket 1 brachte die ersten Erleichterungen für Balkonkraftwerke. Die Max-Leistung wurde zunächst auf 600 W angehoben, durch Solarpaket 2 weiter auf 800 W. Anmeldung ist seitdem nur über das Marktstammdaten-Register nötig.
Wirkt sich Solarpaket 1 auf die Einspeisevergütung aus?+
Indirekt ja. Die Vergütungs-Sätze sind unverändert (7,78 ct/kWh bis 10 kWp), aber durch den Wegfall der 70 %-Regel kannst du mehr kWh einspeisen — bei 10-kWp-Anlage etwa 240 € mehr pro Jahr.
Was kommt nach Solarpaket 2?+
Spekulativ Solarpaket 3, frühestens 2027. Diskussionen drehen sich um Solar-Pflicht für alle Neubauten bundesweit, Smart-Meter-Roll-Out, vereinfachte Direktvermarktung für Privatanlagen ab 25 kWp. Konkret nichts beschlossen.
Tags
#solarpaket-1#pv-ausbau#70-prozent-regel#balkonkraftwerk#rueckblick-2024#anmeldung-digital

Quellen & weiterführende Links

  1. Solarpaket 1 — Gesetzestext und ErläuterungBundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz
  2. EEG-Novelle 2024 — VolltextBundesministerium der Justiz
  3. PV-Ausbau-Statistik 2023 – 2025Bundesnetzagentur
  4. Marktstammdaten-Register — AnmeldepflichtBundesnetzagentur
  5. Branchenstudie Balkonkraftwerke 2025Bundesverband Solarwirtschaft e.V.
  6. Solarpaket-Wirkungs-Analyse FraunhoferFraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme
LB-Solartec Meister-Team
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Photovoltaik-Meisterbetrieb · Siegburg

Seit 2014 begleiten wir die regulatorische Entwicklung der PV-Branche. Solarpaket 1 + 2 haben wir aktiv für unsere Kunden umgesetzt — die Erfahrungen fließen in alle Aussagen.

Fachlich geprüft von Bernd Linder, Elektromeister (verantwortlich für regulatorische Umsetzung)
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